Eine Beschreibung des darscheider Wappens finden sie unter 'Kultur'
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Der 7-Kreuze-Weg,
eine Gebetsstätte aus ältester christlicher Zeit


Der Sieben-Kreuze-Weg beginnt “In der Jass” unterhalb vom Friedhof und erstreckt sich über eine Länge von ca. 500 m auf dem Weg zum Waldrand hin gen Mehren. Es ist der alte Messepfad, denn Darscheid gehörte früher zur Pfarrei Mehren.

Unsere sieben Kreuze sind im 14. Jh. erstmalig errichtet worden. Es sind keine Pestkreuze, wie oftmals angenommen wird, wobei sie sicherlich auch in der Zeit, als die Pest in Europa wütete, von den Bewohnern Darscheids aufgesucht wurden. Vielmehr sind es Gebetstätten aus der ältesten christlichen Zeit, die Jahrhunderte zurückliegt. Die Sieben Kreuze waren keine Seltenheit einiger Dörfer; sie standen am Anfang aller Wege, die vom Filialort zum Pfarrort führten. Sie stehen für den Brauch der “Sieben Fußfälle”, ein Symbol der sieben Szenen aus dem Leiden Christi, eben den sogenannten Fällen, aber auch für die Darstellung “der Sieben Schmerzen Mariens”.

Früher erlebten die meisten Menschen ihre
Holzkreuz
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Sterbestunde in der häuslichen Gemeinschaft. Ärztliche Versorgung konnte aus Kostengründen nicht zuteil werden. Daher erlitten sie in schwerer Krankheit einen qualvollen Tod, für die Leidenden und Sterbenden selbst, aber auch für die Angehörigen, deren Obhut und Fürsorge der Sterbende anvertraut war, bei denen aber der Alltagsbetrieb weitergehen musste.

Die übrige Dorfgemeinschaft nahm regen Anteil an dem Schicksal des “im Sterben Liegenden”, erkundigte sich häufig nach seinem Befinden und betete für sein Heil. Eine besonders fromme und ehrfürchtige Form solchen Gemeinschaftsbetens für den schwerkrank Daniederliegenden oder Sterbenden wurde in dem Brauch des Betens der Sieben Fußfälle geübt.

Von Wrede erfahren wir, dass es sich bei der Siebenzahl nicht nur um sieben Kreuze oder sieben Fußfälle handelt, sondern auch um sieben Mädchen des Dorfes, die jeweils das Beten besorgten. Sie zogen vom Haus des Sterbenden aus. Die Beterinnen übernahmen auf diese Weise gewissermaßen das Leid des Sterbenden und übertrugen es auf den leidenden Christus. Sie gingen in strenger Ordnung, ein Kind nach dem anderen im Gänsemarsch, ohne sich stören zu lassen, ohne sich umzusehen, betend über die Straße zu den Fußfällen. Unterwegs machten ihnen die Entgegenkommenden den Weg frei, die Fuhrwerke hielten am Straßenrand an, Herden wurden zur Seite getrieben und alle, denen die Mädchen begegneten, blieben einen Augenblick mitbetend stehen. Auf dem Weg beteten sie den “Schmerzhaften Rosenkranz”, an den Fußfällen knieten sie nieder und beteten die “Fünf Wunden” oder sieben “Vaterunser” mit dem Zusatz: “O Herr, gib dem Kranken das, was ihm selig ist und verwirf ihn nicht vor deinem Angesicht.” Auch bestimmte Gebete zu den “Sieben Schmerzen Mariens” kamen vor. Vom letzten Aufenthalt kehrten sie in gleicher Weise, wie auf dem Hinweg, zum Sterbehaus zurück, beteten dort, falls der Todeskampf,
Steinkreuz
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der nach dem Glauben des Volkes nach diesem Gebet eigentlich vorbei sein sollte, noch nicht zu Ende war, mit dem Sterbenden das “Fünf-Wunden-Gebet”. Zur Beerdigung des Verstorbenen wurden die sieben Beterinnen zu Kaffee und Kuchen eingeladen.

Bei Beerdigungen, die auf dem Pfarrfriedhof in Mehren endeten, blieb der Sarg bei jedem Kreuz stehen; es war ein Abschiednehmen vom Dorf. Beim 7. Kreuz, dem “Steene Kreuz”, war die Abschiedspause am längsten. Die Mütter mit den Kleinkindern gingen zum Dorf zurück, während der Leichenzug nach Mehren weiterfuhr.

Später, bis ca. 1965, wurde alljährlich auch eine Prozession vom Dorf zum 7. Kreuz und wieder zurück zum Dorf gehalten, und dabei wurden aus 7 Kreuzen 14 Stationen, nach denen sich das Rosenkranzgebet mit Litanei und Liedern ausrichten musste.

In jüngster Zeit sind die Sieben Kreuze errichtete Symbole des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, an denen jeder zu jeder Zeit, egal ob in Form des Gemeinschaftsbetens oder aber auch alleine, beten kann, d.h. mit Gott sprechen, ihm danken für seine Hilfe und ihn bitten um Beistand in allen Lebenslagen. Dabei ist das “Vaterunser” immer noch das dominierende Gebet. Ihm folgt ein Zusatz, der die persönliche Bitte des Beters enthüllt.

Als im Jahre 1989 in Darscheid die Sieben Kreuze durch den Heimat- und Verkehrsverein erneuert wurden, sind, um der Nachwelt ihren Sinn zu erklären, auf jedem Querbalken der sieben Kreuze ein Horn und ein Beil sowie die Jahreszahlen 1354 und 1771 eingraviert worden.
Das Horn (lat. cornu) ist das Attribut des hl. Kornelius, des Schirmherrn von Darscheid. Das Beil steht als Zeichen der Enthauptung des Apostels und Märtyrers Matthias, dem man das Patrozinium in Mehren übertragen hat.
So deuten die Eingravierungen hin auf den Kreuzweg des hl. Kornelius in Darscheid und zum hl. Matthias in Mehren.

1354 wird Darscheid im “Libar valoris” des Erzbistums Köln als Filiale von Mehren bezeichnet und damit zum ersten Male urkundlich erwähnt.
1771 ist eine bedeutsame Jahreszahl für Darscheid; denn in diesem Jahre hat Adam Göden aus Darscheid sein gesamtes Landvermögen der Kirchengemeinde Darscheid vermacht. Das hatte zur Folge, dass Darscheid Vikarie wurde und einen Priester bekam und 12 Jahre später zum Pfarrort ernannt wurde.

Die sieben Kreuze in Darscheid sind redende Zeugen seiner Geschichte. Wir freuen uns, dass sie alle erhalten geblieben
sind und hoffen, dass sie auch weiterhin in Liebe und Treue behütet und erhalten bleiben.

Quellenangaben:
Hans Mülhaus - Darscheid, ein Heimatbuch
Eifler Feste und Bräuche